Nikotin - Konzentrationen

Nikotin gilt als wichtigster Marker für die Belastung der Luft durch Tabakrauch, weil es fast ausschliesslich im Tabak vorkommt. Zur Toxizität siehe: Nikotin - Toxizität

Zu den positiven Eigenschaften von Nikotin: http://www.e-zigarette-test.de/index.php/nikotin-als-medikament.html

Eine noch junge europäische Untersuchung von Nabot et al zum Nikotingehalt in der Luft von öffentlichen Räumen brilliert nicht gerade durch technische Präzision.

So war aber auch nicht die Zielsetzung (letzter Satz vor Abschnitt "Method"):

The main objective was to raise awareness of the problem of ETS exposure and to prompt moves to eliminate it.
(Das Hauptziel war, Aufmerksamkeit zu erwecken zum Problem der Exposition von Passivrauch und Bewegungen anzustossen, um es zu beseitigen.)

Nichtsdestotrotz kommt diese Studie zu ähnlichen Ergebnissen, wie schon andere zuvor.

Weiterhin wird aus den Nikotingehalten eine wilde Hochrechnung auf Krebsrisiken angestellt, obwohl Nikotin nicht als kanzerogen gilt.

Selbst an ausgewählt hoch belasteten Orten in Wien fand man nur eine mittlere Nikotinkonzentration von 122µg/m³. Bei Restaurants muss man davon ausgehen, dass in der Regel 50µg/m³ weit unterschritten werden.

Der über 8 Stunden je Tag aufgenommen als unschädlich anerkannte Grenzwert für Nikotin (CAS-Nr 54-11-5) liegt aber sowohl in allen Staaten der EU, als auch in den USA bei 500µg/m³. Das ist  mindestens das 10-fache von dem, was in einem hoch belasteten Restaurant zu erwarten ist.

(Mehr zu dieser Untersuchung unter: http://tc.bmj.com/cgi/content/full/14/1/60 , http://tc.bmj.com/cgi/reprint/14/1/60 , http://ec.europa.eu/health/ph_projects/2001/cancer/fp_cancer_2001_a3_05.pdf )


Die Arbeitsstätten-Richtlinie 5 (ASR 5) sieht folgende Lüftungsmengen vor:

4.2 Anforderungen
4.2.1 Außenluftstrom
Als Außenluftstrom sind zugrunde zu legen:
20-40 m3/h Person bei überwiegend sitzender Tätigkeit
40-60 m3/h Person bei überwiegend nicht sitzender Tätigkeit
über 65 m3/h Person bei schwerer körperlicher Arbeit.
Zum jeweiligen unteren Wert für den Außenluftstrom sind für zusätzliche Belastungen der Raumluft, z.B. durch belästigende Gerüche, hohe Wärmelast, starken Anteil von Rauchern unter den anwesenden Personen, zusätzliche Außenluftmengen vorzusehen. Dabei entspricht der Belastung durch Tabakrauch ein Außenluftstrom von 10 m3/h und Person oder der Belastung durch intensive Geruchsverschlechterung von 20 m3/h und Person.
Für Arbeitsräume mit Publikumsverkehr soll eine Personenbesetzung von 0,2 bis 0,3 Personen/m2 Bodenfläche zugrunde gelegt werden.

Daraus ergibt sich für die überwiegend nicht sitzende Tätigkeit des Gaststättenpersonals ein notwendiger Luftwechsel je anwesende Person von wenigstens 60m³/h.

Nehmen wir also an, ein Gastraum mit 100m² Grundfläche und 3m Höhe (300m³ Volumen) sei für 0,3 Personen/m² ausgelegt. Das entspräche 30 Personen in diesem Raum. Der notwendige Luftwechsel wäre dann 30 x 60 = 1800 m³/Stunde. Das entspricht einem notwendigen Luftaustausch von 6 pro Stunde.

Nehmen wir weiter an, in dem Raum sind die Hälfte, also 15, der Anwesenden Raucher. So wird deren Tabakrauch je Stunde mit 1800m³ Luft verdünnt.  Wenn nun der durchschnittliche Raucher 2 Zigaretten in der Stunde raucht, so wird der Rauch von 30 Zigaretten mit 1800m² Luft verdünnt. Auf eine Zigarette kommen also 60m³ Luft.

Gehen wir weiter davon aus, dass eine durchschnittliche Zigarette auch heute noch im Nebenstrom 5mg Nikotin erzeuge (Packungsangabe 0,5-1,5mg je Zigarette), so errechnet sich eine Konzentration von ca. 80µg/m³. Solche Konzentrationen wurden allerdings in der Praxis nur in Extremfällen gemessen (siehe oben)Es ist deshalb davon auszugehen, dass in der Regel der Tabakrauch einer Zigarette mit wenigstens 100m³ Luft verdünnt wird.

Gäste halten sich  niemals 8 Stunden am Tag in der Kneipe auf und setzen sich somit allenfalls noch zu 3% dem als unschädlich geltenden 8h-Grenzwert von 500µg/m³ aus.

Ein durchschnittlicher Raucher dagegen inhaliert ca. 14.000 µg Nikotin pro Tag (20 Zigaretten je 0,7mg, siehe Packungsaufdruck)