Aus der Printausgabe von
EU.L.E.N-Spiegel 13. Jahrgang - Nr.1 - 10.3.2007 Seite 21
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Unsterbliche Raucher

Adams KF et al: Overweight, obesity, and mortality in a large prospective cohort of persons 50 to 71 years old. New England Journal of Medicine 2006/355/S.763-778

Bei ihren Versuchen, dicke Menschen krank zu rechnen, ist US-Forschern ein beachtliches Kunststück gelungen. In ihrer prospektiven Studie mit einer halben Million älteren Teilnehmern geben sie als Ergebnis bekannt: "Wer in der Lebensmitte übergewichtig ist, hat ein erhöhtes Sterberisiko." Allerdings bedurfte es dazu einer gewissen Dreistigkeit bei der Interpretation der eigenen Daten. Denn von wenigen Ausnahmen abgesehen liegt das Sterberisiko der "Übergewichtigen" (BMI 25-30) genauso hoch wie bei den "Normalgewichtigen" mit BMI 23,5-24,9, die als Referenz verwendet wurden.

Das höchst interessante Ergebnis, dass Menschen mit BMI 18,5-20,9 (was noch als "Normalgewicht" gilt) im Vergleich dazu ein durchschnittlich 50 Prozent höheres Sterberisiko aufweisen, kommunizieren die Autoren nicht. Im Gegenteil: In der grafischen Aufbereitung der Ergebnisse fehlen die Daten für die Gewichtskategorien unter 20 - und damit bereits ein Teil der angeblich Normalgewichtigen. Im Rahmen dieser und anderer Manipulationen kam schlussendlich heraus, dass fettleibige Raucher deutlich länger leben, als schwergewichtige Nichtraucher. Offenbar müssen nun schon die Raucher länger leben, damit die Dicken früher sterben können ...

 

Die Studie ist erhältlich bei:
http://content.nejm.org/cgi/content/abstract/355/8/763

Siehe auch:
http://jama.ama-assn.org/cgi/content/full/293/15/1861
"... Overweight was not associated with excess mortality (–86 094 deaths; 95% CI, –161 223 to –10 966). The relative risks of mortality associated with obesity were lower in NHANES II and NHANES III than in NHANES I."